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Die russische Malweise.
Ohne den kulturhistorischen Stellenwert der Avantgarde und der Abstraktion als einer parallelen Entwicklung zu mindern oder gar zu leugnen, ist es gerade die traditionelle russische Malerei der weltweit letzten noch existierenden, bedeutenden realistischen Schule, die einer separaten Betrachtung würdig ist. Hier wurden bis heute über Generationen hinweg Können und künstlerische Auffassung von Lehrern auf Schüler weitergegeben. Daher entstehen bis heute hervorragende Werke in technischer Perfektion und Liebe zum Sujet.
Diese allgemeine anerkannte hohe Qualität der traditionellen russischen Malerei ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass in diesem Land über 800 Jahre - von der Christianisierung bis ins frühe 18. Jahrhundert - ausschliesslich Ikonenbilder geschaffen wurden. Mit der Öffnung nach Westen zur Zeit Peter des Grossen erfolgte in den ersten Fürstenporträits der zaghafte Übergang von der Ei-Tempera- auf Holz (Ikonenmalerei) zur Ölfarbenmalerei auf Leinwand. allerdings nicht früher als zu Beginn des 19. Jahrhunderts kann inhaltlich und stilistisch ansatzweise von freier Malerei gesprochen werden.
Aber spätestens jetzt eigneten sich in einem rasanten Lernprozess - teils auf Studienreisen ins Ausland - die Künstler Russlands Kenntnisse und Fähigkeiten an, über die italienischen, spanischen und niederländischen Meister schon seit der Renaissance verfügten.
Doch erst die Abkehr von den alten klassizistischen und romantischen Idealen der kaiserlichen Akademie ließ die russischen Maler, ohne ihre eigene Interpretation aufzugeben, den Anschluss an ihre westlichen Kollegen finden. Es war eine Umorientierung, in gewisser Weise eine Rebellion, die einherging mit zunehmender Individualisierung des Denkens und dem Wunsch, die verstaubten Ateliers zu verlassen, um in der Natur zu malen.
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